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European Values Study

Kurzbeschrieb

Die European Values Study (EVS) ist eine grossangelegte, länderübergreifende Langzeitstudie zu Werten und Normen, die seit 1981 alle neun Jahre durchgeführt wird.

Mit bisher mehr als 47 teilnehmenden Ländern ist die European Values Study das umfassendste Forschungsprojekt zu sozialen Werten in Europa. Die Studie gibt einen einzigartigen Einblick in die Vorstellungen und Ansichten der Europäerinnen und Europäer zu Familie, Arbeit, Politik, Religion und Gesellschaft.

Thematisch konzentrieren sich die bisherigen vier Erhebungswellen auf die Ermittlung von Wertunterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen den europäischen Ländern, sowie den Wertewandel in Europa. Die erhobenen Daten ermöglichen sowohl räumlich wie auch zeitlich komparative Analysen und können zusätzlich mit den Daten des World Values Survey kombiniert werden. Dies erlaubt die Analyse und den Vergleich von Daten aus 113 verschiedenen Weltregionen über eine Zeitspanne von mehr als 35 Jahren.

Die Schweiz nimmt nach 2008 und 1990 bereits zum dritten Mal an der EVS-Studie teil. Finanziert wird die Erhebung in der Schweiz vom Schweizerischen Nationalfonds. Im Jahr 2017 wird die Befragung sowohl face-to-face wie auch online durchgeführt und besteht aus einer Bruttostichprobe von insgesamt 8’400 Personen.

Einen Überblick über die europäischen Länder und ihre Teilnahmen am EVS gibt folgende Grafik:

Teilnahme am EVS seit

Ziele

Der EVS hat zum Ziel:

  • Den sozialen Wandel in Europa und seine Folgen zu dokumentieren (beispielsweise Prozesse der Globalisierung und Individualisierung). Hierfür werden zwei Drittel der Fragen in jeder Befragungswelle wiederholt.
  • Ländervergleichende Forschung zu ermöglichen, indem qualitativ hochstehende Daten zu persönlichen und gesellschaftlichen Werten in ganz Europa erhoben werden.
  • Der wissenschaftlichen Gemeinschaft eine Plattform zur Verfügung zu stellen, mittels derer Forscherinnen und Forscher schnell und kostenlos Zugang zu einer grossen Menge an hochstehenden Daten erhalten und sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen können.

Organisation und Finanzierung

Ursprünglich wurde die EVS Studie von einer informellen Studiengruppe aus Akademikerinnen und Akademikern ins Leben gerufen. Heute wird sie von einer Stiftung koordiniert (EVS Stiftung), die ihren Sitz an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität Tilburg in den Niederlanden hat.

Die Stiftung wird vom EVS Forschungsrat geleitet. Dieser gibt die allgemeinen wissenschaftlichen Richtlinien vor und segnet den endgültigen Fragebogen wie auch das methodische Vorgehen ab. Dem Executive Commitee obliegt die operative Verantwortung des EVS Projektes. Der Fragebogen selbst wird von einer Theoriegruppe entwickelt, eine Methodengruppe ist dagegen für die wissenschaftliche Qualität der Erhebung zuständig. Die Schweiz ist in drei dieser Gremien durch Prof. Dr. Dominique Joye vertreten (Executive Commitee, Theoriegruppe, Methodengruppe).

In der Schweiz ist FORS für die Durchführung der Erhebung verantwortlich. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Michèle Ernst Staehli plant und realisiert das Team für Internationale Studien von FORS sämtliche Phasen des Erhebungsprozesses: Es übersetzt den englischen Originalfragebogen in drei nationale Sprachen (Deutsch, Französisch und Italienisch), entwickelt die spezifischen Erhebungsmethoden und bereitet die Rohdaten so auf, dass sie von Forschenden und anderen Interessierten genutzt werden können. Die Feldarbeit (face-to-face Modus) wird durch ein beauftragtes Meinungsforschungsinstitut durchgeführt.

Finanziert wird die Erhebung in der Schweiz vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF).

Methoden

Um repräsentative Aussagen zur Schweiz zu gewinnen, werden die an der EVS-Befragung teilnehmenden Personen in einem strikten Zufallsverfahren ausgewählt. Die Bruttostichprobe umfasst in der aktuellen Ausgabe 8400 Personen. Da die Studie von nationaler Bedeutung ist, darf die Stichprobe aus dem Stichprobenrahmen für Personen- und Haushaltserhebungen (SRPH) des Bundesamtes für Statistik gezogen werden. Die Verordnung über die Durchführung von statistischen Erhebungen des Bundes (vom 30. Juni 1993, Art. 13c, Abs.2, Bst. d.) regelt, wie die Angaben dieses Registers vom EVS genutzt werden dürfen. Die Datenerhebung erfolgt im Jahr 2017 sowohl mittels face-to-face Interviews (CAPI) wie auch online (CAWI).

Um die Datenqualität zu erhöhen, wird das methodische Vorgehen laufend verbessert. Dazu zählen unter anderem eine aufwendige Übersetzungsprozedur der Fragebögen, eine optimale Stichprobenziehung, umfangreiche Massnahmen zur Erhöhung des Rücklaufs sowie intensive Interviewer Schulungen.

Methodischer Steckbrief des EVS (2008 und 2017):

Grafik EVS 10

Themen / Erhebungswellen

Im Zentrum des EVS-Projektes steht die Erforschung sozialer Werte. In den Jahren 1981 und 1990 umfasste die Studie bereits ein grosses Spektrum an Themen wie Familie und Sexualität, Arbeit und Freizeit, Religion, Politik und Ethik. Seit der dritten Welle von 1999 umfasst die Studie auch Aspekte wie Solidarität, Sozialkapital, Demokratieorientierung und Arbeitsethik. Auch die bisher letzte Welle von 2008 umfasste ein sehr grosses Spektrum an Werten und zielte darauf ab, die Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Erhebungswellen zu gewährleisten.

Um mehr über die untersuchten Themen zu erfahren, klicken Sie auf die entsprechenden Themenblöcke:

• Familie
• Leben
• Politik
• Arbeit

Mehr Informationen zu den einzelnen Erhebungswellen finden Sie hier:

1. EVS-Erhebungswelle (16 teilnehmende Länder)

2. EVS-Erhebungswelle (29 teilnehmende Länder)

3. EVS-Erhebungswelle (33 teilnehmende Länder)

4. EVS-Erhebungswelle (47 teilnehmende Länder/Regionen)

5. EVS-Erhebungswelle

Daten / Downloads

Sind die EVS-Daten erhoben, werden sie überprüft und formatiert und anschliessend beim GESIS Data Archiv abgespeichert. Das EVS-Archiv verwaltet die Daten sämtlicher teilnehmender Länder seit Beginn der Studie im Jahre 1981. Die anonymisierten Daten sind für alle Interessenten durch einfache Anmeldung zugänglich und können nach Zustimmung der Nutzungsbedingungen kostenlos als SAS- oder SPSS -Datei heruntergeladen werden.

FORS, die in der Schweiz verantwortliche Institution für den EVS, stellt die Schweizer Daten auch auf dem FORSbase Datenkatalog zur Verfügung. Die Dokumentation der Datensätze und Variablen wird auf Deutsch und Französisch geliefert.

Um die Zeitreihenanalyse zu erleichtern, wurde das EVS Longitudinal Data File 1981-2008 kreiert. Für internationale Vergleiche kann dieses Datenfile mit dem World Values Surveys Longitudinal Data File 1981-2014 kombiniert werden:

Wir möchten darauf hinweisen, dass alle Veröffentlichungen, die sich auf EVS-Daten beziehen, dem EVS Archiv mitgeteilt werden müssen. Dadurch wird auch die Aufnahme in die internationale Publikationsliste gewährleistet. Es wird von den Forschenden verlangt, die Nutzungsbedingungen einzuhalten, insbesondere die korrekte Zitierung in Veröffentlichungen.

 

Nützliche Links:

  • Die internationalen Daten sind im GESIS Data Archiv abgespeichert.
  • Die Schweizer Daten und die dazugehörige Dokumentation für die Erhebungswelle von 2008 sind ebenso im GESIS Data Archiv frei zugänglich.
  • Die Schweizer Daten für die Erhebungswelle von 1990 können direkt über den Datenkatalog FORSbase bezogen werden (FORSbase Katalog: Project # 21)

Forschungsergebnisse / Resultate

Mittlerweile erstreckt sich die EVS-Studie über eine ganze Generation von Europäerinnen und Europäern hinweg und zeigt unter anderem Wertverschiebungen bei Themen wie Homosexualität oder arbeitende Mütter, bestätigt aber auch wichtige europäische Werte wie die Achtung der Demokratie oder die Ablehnung von Korruption.

Seit Beginn der Studie hat sich eine reichhaltige wissenschaftliche Literatur um das Forschungsprojekt herausgebildet und die Publikationen sind äusserst zahlreich: Mehr als 1600 Publikationen sind momentan in der EVS-Bibliographie aufgelistet.

Die Forschungsresultate werden zudem auch im Parlamentarium, dem Besucherzentrum des Europäischen Parlaments, präsentiert und diskutiert.

Die interaktive Webseite Atlas der europäischen Werte (www.atlasofeuropeanvalues.eu) wurde speziell für Bildungszwecke kreiert und sensibilisiert insbesondere das junge Publikum für die Thematik rund um die Grundwerte einer Gesellschaft.